Ich bin Keiner und Das Ende der Privatheit

16.09.11

Keiner stirbt nicht

PrivatheitSeemannSelbstauflösung im Welthirn

Die Keiner - Trilogie

1. Ich bin Keiner
2. Die Keiner - Maschine: Alle sind Keiner
3. Keiner stirbt nicht.

1.Mit Seemann konnten wir feststellen, dass Keiner sich in einem ständig wachsenden Datensatz auflöst. Er verliert seine Identität und gewinnt neue hinzu. Seine Empathie ist endlos, überschreitet alle Grenzen, zunächst die seines privaten Egos und seines biologischen Köpers, dann die Grenzen Anderer. Er verwandelt sich in seine Mitmenschen und erfindet neue. Seine Spiegelneuronen vermehren sich mit jeder Verwandlung mit exponentiellem Wachstum.

Das Unmenschliche an Keiner ist, dass er keine Geheimnisse hat. Seemann lag falsch in seiner Annahme, das Keiners Kern geheim ist. Wer es wagt, Keiner in die Augen zu   schauen, blickt ins Universum, in eine endlose Weite, ein offenes System. Die Angst, die einen dabei fällt, ist sehr privat, ist dem Menschen ureigen. Die Frage, die ich mir stelle, seit dem ich Keiner kenne, lautet: Hat Keiner auch Angst? Wenn ja, wovor? Und wenn nicht, ist er dann eigentlich noch ein Mensch? Wenn Keiner, wie Seemann behauptet, der Prototyp einer kommenden Gesellschaft ist, wird diese eine Gesellschaft von Cyborgs sein, keine menschliche mehr.

2.Der erste Prototyp dieser Gattung erschien 1928 in dem Film Metropolis von Fritz Lang. Auch HEL kann sich verwandeln, sie verwandelt sich in die falsche Maria. Die richtige Maria liegt unter einer Glashaube mit vielen Kabeln. Die falsche Maria ruft zur Revolution auf und endet auf dem Scheiterhaufen, mit ihr verbrennt der Maschinenmensch. Er löst sich in Rauch auf. Noch gibt es kein Internet. 

Das Internet verändert alles. Der Mensch strebt zur Maschine, verfällt und offenbart sich ihr. Die Maschine vernetzt und schafft den Schwarm. Das Geheimnis ist der Feind des Schwarms. Scham wird zur Sünde. Wer etwas zu verbergen hat, stirbt aus, ganz ohne Überwachungsstaat, sondern nach dem evolutionären Prinzip, eine Frage der Zeit. Das System speist sich aus Gedanken, die wir übers Internet übertragen, also auch solchen, von denen wir selber nicht wissen, das wir sie gedacht haben.

3.Der Tod ist der Feind des Menschen. Keiner will ihn abschaffen. Die Überwindung des Todes bedeutet den Triumph der Intelligenz (ob diese menschlicher oder biotechnischer Natur sein wird, weiß nur Keiner). Seine Gegner wollen das verhindern. Sie glauben an das biologische Ende des Menschen wie an eine Religion. Sie verteidigen den Tod. Sie haben Angst vor der Herrschaft der Maschine. Sie haben keine Angst vor dem Tod. Es herrscht Krieg. Glaubenskrieg. Viele Menschen sterben. Keiner stirbt nicht.

Does God exist? Not yet.
Ray Kurzweil.

 

 

 

 

Johannes Brandrup

von Johannes Brandrup

Johannes Brandrup kämpft mit seiner Rolle als Datenschützer …

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