Ich bin Keiner und Das Ende der Privatheit

02.10.11

Datenschutztheater und meine Sinnkrise

BrandrupIch bin KeinerKunstPerformanceSelbstauflösung im WelthirnszenarioVideo

Meinen Job als Datenschützer bin ich wohl los. Nach der Nummer gestern in der Kastanienallee. Aber ob die mir kündigen oder nicht - ich habe eh keine Lust mehr!! So gut bezahlt war es sowieso nicht.
Ich bin aus Idealismus Datenschützer geworden. Ich komme aus Wiesbaden. Startbahn-West-Gegner der ersten Stunde,  Bewohner des legendären Hüttendorfs am Frankfurter Flughafen, Kaffee Klatsch, Joschka Fischer im Trenchcoat und Turnschuhen vorm Mikro, „Atomkraft? Nein Danke!“ Buttons, - und dann meine erste Volkszählung. Das war  1983, während meinem Zivildienst. Ich hatte damals gerade die erste eigene Wohnung. Ich werde nie vergessen, wie dieser Typ, der so gar nicht aussah, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, bei uns vorbei kam um zu „zählen“, für die „statistische Erhebung“. Mein Herz klopfte, weil ich meine Freundin beeindrucken wollte. Ich hab es dann auch durchgezogen und dem Typen die Tür vor der Nase zugeknallt. Ich war kein Nummern-Bürger. Wollte jedenfalls keiner sein. Hoffte, ich wäre keiner. KEINER!!!! KEINER verfolgt mich! Aber dazu später.
Seitdem bin ich politisch aktiv für das Recht auf Anonymität. Heute vor allem in Sachen Internet. Seit etwa fünf Jahren habe ich diesen Job im Datenschützbüro, arbeite also jetzt FÜR und nicht mehr GEGEN den Staat, mit gemischten Gefühlen. Wir verklagen hauptsächlich Privatkonzerne, z.B. Facebook oder Google.  Im Ausland sind wir eine Lachnunmer. „Die Deutschen regen sich auf über Street View aber gehen nackt in die Sauna“ sagte Jeff Jarvis so oder ähnlich...
Der Staat verklagt die Anderen aber arbeitet gleichzeitig in aller Ruhe weiter an der Vorratsdatenspeicherung. Weil ich zu dem Thema öffentlich meine Bedenken geäußert habe, wurde ich kürzlich strafversetzt. Ich soll das KEINER-SYNDROM untersuchen. KEINERS Daten haben ein Haus in Berlin auf der Kastanienallee befallen. Weil die Leute das sehen wollen, muss ich sie offiziell dabei begleiten, mit einer Führung durch das Haus. Seit dem ich da tätig bin, habe ich eine echte Sinnkrise.  Das ist alles nur Datenschutztheater! Wir haben zwar bald den gläsernen Bürger aber sind keinen Schritt näher am gläsernen Staat, oder?

Johannes Brandrup

von Johannes Brandrup

Johannes Brandrup kämpft mit seiner Rolle als Datenschützer …

Kommentare auf Facebook